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Menschen mit Behinderung im Arbeitsfeld der Heilerziehungspflege- Ansichten einer Anerkennungsjahrspraktikantin März 1, 2013

Filed under: Aktionen,Berichte — haikoelschen @ 6:14 pm
Tags: ,

Menschen mit Behinderung im Arbeitsfeld der Heilerziehungspflege- Ansichten einer Anerkennungsjahrspraktikantin

Teilnahmebeitrag an:

Blogger-Themen-Tage
#EinfachSein Behinderungen, Medien und die Gesellschaft

Hallo erstmal an alle Neulinge auf meinem Blog!
Ich bin eine 25jährige Kölnerin, die gerade mitten im Annerkennungsjahr zur Heilerziehungspflegerin ist. Dieses Jahr absolviere ich in einem integrativen Kindergarten am anderen Ende der Stadt.
Wenn ich nicht zur Arbeit gehe oder in die Schule, dann bin ich mit Freunden unterwegs.

Nach dem Abschluss der Realschule bin ich in die integrative Oberstufe der Anna-Freud-Schule (Förderschule f. Körperliche u. motorische Entrwicklung) aufgenommen worden.
Auch wenn ich nach der 12 abgegangen bin, so habe ich dort die Menschen getroffen, die mich bis heute prägen und die in meinem Leben wichtige Rolle gespielt haben und noch spielen, insbesondere meine beste Freundin. Sie hat SMA und sitzt im Rollstuhl, durch sie habe ich gelernt, welch große Hürde eine einzige Treppe sein kann.

Nach einem Umweg über die Chemie bin ich jetzt examinierte Heilerziehungspflegerin und und um anerkannt zu werden, arbeite ich ein Jahr.
Wie gesagt, ich arbeite in einem integrativen Kindergarten, was mir unheimlich viel Spaß macht und mir zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Genug von mir, nun zum eigentlichen Beitrag.

drei Jahren die Ausbildung begann, war ich der Meinung, die Heilerziehungspflege befasse sich mit allen Menschen mit Behinderung.
Falsch gedacht, in der Heilerziehungspflege geht es in erster Linie um Menschen mit geistiger Behinderung.
Weil Menschen mit körperlichen Behinderungen meist zu selbstständig
Kann das sein? Kann ein Mensch zu selbstständig sein und keinerlei Hilfe benötigen?
Nein, gerade in der Zeit, in der das persönliche Budget mehr und mehr auch für Menschen mit körperlichen Behinderungen wichtig wird, werden Heilerziehungspfleger gebraucht. Wir dürfen pflegerisch und behandlungspflegerisch arbeiten, weil wir das lernen und wir praktische Unterweisungen darin bekommen.
Wir werden zu Fachkräften ausgebildet!
Fachkräfte, die auch Menschen mit körperlichen Behinderungen in ihrem Leben helfen können.
Bei einer 24 Stunden Assistenz durch große Dienstleister wie den ASB oder das DRK werden Hilfskräfte eingesetzt. Ich habe das auch gut 3 Jahre gemacht. Im Grunde finde ich das gut, dass man im Sudium oder als Zweitjob so ein bisschen Geld dazu verdienen kann, aber ich finde es auch schwierig ohne konkrete Einweisung pflegerisch zu arbeiten. Nicht jeder „Kunde“ kann sich so ausdrücken, dass die Hilfskraft ihn versteht. Oft scheitert es aber auch an Hilfsmitteln.
So hatte ich nach einem Horrordienst echt Panik wieder mit einem Lifter zu arbeiten, im Pflegepraktikum lehrte man mich damit umzugehen und mittlerweile kann ich damit gut arbeiten und habe keine Angst mehr davor.

Fachkräfte hätten von anfang an weniger Probleme, wenn man die Hilfskräfte einweisen würde, würde dieses Problem auch wegfallen.
Was also ist meine Ansicht dazu?

Menschen mit Behinderung werden mit Hilfskräften versorgt, weil sie günstiger sind als Fachkräfte!

Aber es werden Fachkräfte ausgebildet, die entwerder unterbezahlt werden oder sich ein falsches Bild von dem Beruf machen.

Mein Gedanke war, vor Beginn der Ausbildung, dass ich als Fachkraft im Assistenzdienst arbeiten kann. Im Assistenzdienst für Menschen mit körperlichen Behinderungen.
Doch in der Ausbildung liegt der schwerpunkt bei Menschen mit geistigen Behinderungen, selbst Menschen mit schwersten Mehrfachbehinderungen finden kaum Platz, oder gar Menschen mit seelischen Behinderungen.
Das finde ich sehr schade.
Ich weiß, dass 2 Jahre Theorie nicht reichen um alle Aspekte zu beleuchten.
Dennoch habe ich mir ehrlich gesagt etwas anderes unter dem Beruf vorgestellt.
Mir ist beswusst und das finde ich gut, dass immer mehr Menschen mit geistiger Behinderung aus großen Häusern in kleine Wohngruppen ziehen oder alleine in einer Wohnung leben, dazu benötigen sie Fachkräfte wie uns Heilerziehungspfleger.

Aber mein Beruf ist vielen kein Begriff. Mein Beruf ist nur Fachleuten in der Behindertenhilfe ein Begriff, mir ist erst im Verlauf der vergangenen sechs Monaten bewusst geworden, was ich eigentlich alles mit meinem Abschluss machen kann.
Ich kann in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten, in einer großen Pflegeeinrichtung (die jedoch weniger werden), im betreuten Wohnen, im Freizeitbereich, in integrativen Kindergärten oder Schulen und und.
Das umfasst für mich aber nicht nur den Bereich Menschen mit geistiger Behinderung, nehme ich den Bereich der Freizeitgestaltung, heißt das für mich auch Begleitung und Assistenz bei Konzert- oder Theaterbesuchen für Menschen mit einer Körperbehinderung. Darauf wird man nicht vorbereitet in der Ausbildung. Wie schwierig sich so ein Besuch gestaltet, weiß ich aus eigener Erfahrung.
Man braucht Nerven aus Stahl und eine unglaubliche Geduld.
Das kann man nicht lernen, das hat man.

Meines Erachtens nach werden Menschen mit Körperbehinderungen immer als selbstständiger dargestell als es manchmal der Fall ist.
Ich kenne einige Menschen im Rollstuhl oder die motorisch eingeschränkt sind, sie haben oft eine stärkere Persönlichkeit als zumindest ich selbst. Mein Gefühl sagt mir, dass dies auch gerade deshalb so ist, dass sie für jede Hilfe kämpfen müssen.
Anders als Menschen mit geistiger Behinderung, sie bekommen oft mehr Hilfe als sie benötigen, weil sie hilflos scheinen, wenn man sie lässt, zeigen sie aber, dass sie selbstständig sind.

In der Heilerziehungspflege sollte ein Umdenken erfolgen und das passiert, zumindest an meiner Schule.
Menschen mit geistiger Behinderung werden dazu animiert sich zu verselbstständigen. Das finde ich gut!
Jetzt muss nur noch verstanden werden, dass auch Menschen mit Körperbehinderungen unsere Hilfe brauchen und sei es nur im Pflegerischen Aspekt (Das ist zumindest meine Ansicht.)!

Das eigentliche Problem liegt für mich jedoch nicht in der Ausbildung, sondern das Bild der Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft.
Wenn das Bild der Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft ein anderes wäre, dann hätte ich nicht den Gedanken, dass meine Arbeit nicht wertgeschätzt wird.
In Film und Fernsehen werden Menschen mit Behinderung oft hilflos und geistig untebelichtet dargestellt.
Wenn es mehr positiv wertschätzende Beiträge zum Thema Menschen mit Behinderung gäbe und sich die Sprache vieler Journalisten ändern würde (hier stößt mir immer die Phrase “an den Rollstuhl gefesselt” sauer auf), dann würde unsere Gesellschaft Menschen mit Behinderung akzeptieren, wie sie auch alle anderen Menschen akzeptiert.

Ich hoffe, ich konnte mit meinem Artikel den ein oder anderen zum Nachdenken anregen und er war nicht zu verwirrend.
Vielen Dank fürs Lesen.
Würde mich über Feedback freuen!

Liebe Grüße

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6 Responses to “Menschen mit Behinderung im Arbeitsfeld der Heilerziehungspflege- Ansichten einer Anerkennungsjahrspraktikantin”

  1. Ann-So Says:

    Ich finde es echt gut, dass du so einen Beruf gewählt hast und dir das so wichtig ist =)

  2. Wow Heike, das ist ein ganz neuer Blickwinkel und du hast über vieles geschrieben, was mir nicht bewusst war – danke dafür! Herzlicher Gruss

  3. Kristin Behrmann Says:

    Ja, dieser Bereich wird irgendwie nicht genügend anerkannt. Ich meine die Fachkräfte in jeglicher Hinsicht damit. Das Geld wird nicht dort eingesetzt, wo es sinnvoller wäre. Zudem kommen immer noch die alten Denkmuster hinzu. Die Zeit fehlt meistens auch, um individuell auf den Einzelnen einzugehen. Es geht doch um den Menschen – warum wird es immer vergessen!

    • haikoelschen Says:

      Genau das empfinde ich auch so. Es geht nur um die Leistung und nicht um den Menschen!

      • Kristin Behrmann Says:

        Wir brauchen mehr reale Debatten für die sozialen Themen. Dabei bleibt mir immer in Erinnerung – alles soll billig sein, effektiv arbeiten und Profit für das Establishment. Viele wollen nicht mehr mitmachen bei diesem ungerechten System. Vielleicht sind kreative Wege dabei hilfreich. Ich finde diese Blogger-Themen-Tage genau richtig dafür.

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